Die Wiedergeburt des Festspielhauses

Unter diesem Titel hielt Prof. Michelis anlässlich der 100-Jahr Feier des Festspielhauses einen Lichtbildvortrag mit vielen Fotos aus der Zeit direkt nach der Wende.

Um dem Vergessen vorzubeugen

möchten wir einige dieser interessanten Zeitdokumente hier veröffentlichen.
Die Nummern in eckigen Klammern in der darauffolgenden Kommentierung verweisen auf das entsprechende Foto in der Galerie.

Nach dem kurzen und intensiven Höhepunkt des Festspielhauses [1,2] zwischen der Eröffnung 1910 und dem 1. Weltkrieg folgte ein schrittweiser Niedergang, dessen Tiefpunkt hinsichtlich Funktion und Bausubstanz mit der Nutzung durch die sowjetische Armee erreicht war.

Das Festspielhaus war, wie ich feststellte, im Bewusstsein der Bevölkerung verloren gegangen. Im Stadtplan Dresdens von 1990 war es nicht mehr eingetragen. Dieses berühmte Haus war in den Plänen ebenso getilgt, wie alle militärischen Einrichtungen der Sowjets und der ehemaligen NVA [3].

Als Leiter des Amtes für Stadterneuerung war Prof. Michelis einer der ersten Besucher des Festspielhauses nach der Wende.

Zuvor musste ich in teilweise mühsamen Verhandlungen mit dem Kommandanten der Truppen der GUS, wie sich die ehemalige Sowjet-Armee nach dem Zusammenbruch ihres Staates nannte, allein nur die Erlaubnis zur Besichtigung des ehemaligen Festspielhauses erwirken.[4,5]

Diese Besichtigungen des Festspielhauses waren von großem Misstrauen gekennzeichnet, was sich auch in dem Verbot zu fotografieren ausdrückte und durch große Verlegenheit, sei es wegen der Unkenntnis des begleitenden Offiziers über die Geschichte des Festspielhauses oder aus Scham über das Elend des baulichen Zustands des mit seinen Nebengebäuden als Kaserne genutzten Festspielhauses [6-8] und über die erbärmlichen Inneneinrichtungen und unfassbaren sanitären Zustände.[9-14]

Im westlichen Seitenflügel, der erst in den dreißiger Jahren zusammen mit den östlichen zur Unterbringung von Mannschaften der deutschen Wehrmacht- nach Erwerb des Festspielhausensembles durch sie- errichtet worden war, befand sich ein Lazarett, im östlichen Flügel lagen die Wohnungen von Offiziersfamilien. Der bauliche und der Ausstattungszustand folgte dem des Festspielhauses. Das Gleiche galt für die vier Pensionshäuser [15,16]. In einem dieser vier Häuser lebte der zuständige Kommandant mit seiner Familie (in einem Haus, dessen Dach wohl seit längerem undicht gewesen sein muss, der Fäulnis der Dachsparren, der Patentwände und der Dielen nach zu urteilen).

Nach dem Abzug der GUS-Truppen wurden die Gebäude zunächst wegen akuter Einsturzgefahr abgesperrt, was die Hellerauer Bevölkerung aber nicht daran hinderte, ihr wiedergewonnenes Festspielhaus mit einem Volksfest zu feiern [17,18]

Der Zweite Weltkrieg war für mich endlich vorüber, mit ihm verschwand der rote Stern und machte dem Yin- und Yang-Symbol im Giebel des Festspielhauses wieder Platz [19].

Zwanzig Jahre dauerte es noch, bis das Festspielhaus in seiner baulichen Form wiedergeboren war [20]. Heute erinnert nur noch der Ostflügel daran, wie traurig auch der Rest einmal ausgesehen hat und mit den neuen Bewohnern wird auch funktional wieder an frühere künstlerische Höhepunkte angeknüpft.

Die Zitate in Kursivschrift wurden dem Vortrag von Prof. Michelis zur 100-Jahr Feier der Gartenstadt Hellerau entnommen. Den kompletten Vortragstext kann man im Kulturreport Nr. 68 vom Dezember 2011 nachlesen.

Bildnachweis:
[1,2] historisch
[3-16, 19] Prof. Dr. Peter Michelis, Hamburg
[17,18] Dr. Erhard Löffel, Hellerau
[20] Verein Bürgerschaft Hellerau e.V.

Gallerie zur Wiedergeburt des Festspielhauses