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Teil 3: Wozu ein Welterbetitel?

Für die Bewerbung Helleraus um Aufnahme in die UNESCO Welterbeliste müssen Fachexperten und alle relevanten lokalen und kommunalen Stellen einbezogen werden. Nötig sind auch umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen sowie umfassende Konzeptionsarbeiten. Doch wozu dieser Aufwand? Wozu die entsprechenden, durch Spenden gedeckten, finanziellen Ausgaben? Wozu der Welterbetitel?

Das im Jahr 1972 verabschiedete UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt zielt darauf ab, Stätten mit einem außergewöhnlichen universellen Wert für gegenwärtige und zukünftige Generationen zu erhalten. Ist eine Stätte in die Welterbeliste aufgenommen, wird sie durch die Anerkennung ihres herausragenden Wertes durch die Völkergemeinschaft zum Zeugnis der Menschheitsgeschichte. Die internationale Gemeinschaft ist dann für ihren Schutz verantwortlich. Der tatsächliche Schutz einer Stätte bleibt jedoch Aufgabe des jeweiligen Staates, und auch für Welterbestätten gelten die bestehenden Denkmalschutzgesetze der Länder als rechtliche Grundlage. Gemäß der deutschen Gesetzgebung genießt Hellerau als Flächendenkmal bereits den höchsten Schutzstatus. Welterbestätten werden immer mit verstärktem internationalem Interesse beobachtet. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie stetig von den Experten der UNESCO und ihren Beraterorganisationen kontrolliert werden.

Die Welterbekonvention als wohl bekannteste aller UNESCO Konventionen hat eine völkerverbindende und friedensstiftende Wirkung. Sie macht die kulturelle Vielfalt der Welt sichtbar und die Menschheitsgeschichte erlebbar. Als Welterbestätte soll Hellerau im Bilderbuch der Menschheitsgeschichte das Kapitel zur Lebensreformbewegung repräsentieren, die hier im frühen 20. Jahrhundert vielfältig gelebt wurde. Daraus hervorgehend steht Hellerau auch für den Aufbruch in die Moderne, der sich in der für die damalige Zeit besonders neuartigen Wohnbebauung und dem Festspielhaus als ersten bühnenlosen Theaterbau zeigt.

Oft wird angenommen, dass der Welterbetitel vor allem aus Prestigegründen angestrebt wird und damit der Steigerung der Bekanntheit und folglich der touristischen Nachfrage dienen soll. Obwohl die Bekanntheit einer Stätte durch den Titel steigt, steht vor allem immer ihr Schutz im Vordergrund. Dennoch steigen die Touristenzahlen nach Eintragung in die Welterbeliste erfahrungsgemäß in den ersten ein bis zwei Jahren an. Auf lange Sicht gestalten sich die Besucherzahlen in Abhängigkeit von den vorhandenen Attraktionen vor Ort und der Marketingaktivität der Koordinationsstelle. Aufgrund der besonderen baulichen Strukturen Helleraus und der darin verkörperten Geschichte sind moderate Steigerungen der Tourismusnachfragen zu erwarten. Dennoch sollten dietouristischen Serviceeinrichtungen erweitert und die Aktivitäten zur Vermittlung des Erbes optimiert werden. Auch bietet der Welterbestatus die Möglichkeit, die örtlicheInfrastruktur zu verbessern. Finanzielle Zuschüsse sind von Seiten der UNESCO und für gut erhaltene Stätten wie Hellerau kaum zu erwarten, da die Mittel des Welterbefonds vorrangig dem Erhalt besonders gefährdeter Stätten in Krisen- und Kriegsgebieten dienen. In Deutschland könnten jedoch nationale Förderprogramme für Welterbestätten finanzielle Unterstützung bringen.

Der Welterbetitel ist aber vor allem eine besondere Anerkennung, auf welche die Bewohner zu Recht stolz sein können. Denn sie alle tragen Tag für Tag zur Erhaltung dieses einzigartigen Erbes bei und stehen damit auch im Mittelpunkt der Bewerbung für den Welterbetitel. Die Bürgerinitiative zur Nominierung Helleraus ist sich dessen bewusst und hat sich umfassende Ziele gesetzt. So sollen die langfristige Verwaltung der Stätte sowie die denkmalgerechte Sanierung des Festspielhaus-Ensembles gesichert und die Bürger in alle Managementprozesse einbezogen werden. Ebenso werden gegenwärtig Konzepte für eine sensible Verkehrsleitung, Besucherführung und Vermittlung des Erbes entwickelt, die sicherstellen, dass das erhöhte Interesse an Hellerau entsprechend gesteuert werden kann.

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