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Teil 4: Das Welterbe und der Denkmalschutz

Oftmals glauben Anwohner oder Hauseigentümer, dass die Aufnahme einer Stätte in die Welterbeliste Auswirkungen auf die geltenden Denkmalschutzregularien und die praktische Denkmalpflege hat. Wie im letzten Artikel der Welterbereihe schon erwähnt wurde, gelten auch nach Erlangung des Welterbetitels für Hellerau weiterhin die nationalen Denkmalschutzgesetze, und die Siedlung genießt als Flächendenkmal bereits jetzt den höchsten Schutzstatus. Doch was ist so besonders an den Gebäuden in Hellerau? Wodurch und durch wen genau werden sie geschützt? Was bedeutet das für die Einwohner der zukünftigen Welterbestätte?

Bevor eine Stätte in die Welterbeliste aufgenommen wird, muss ein Außergewöhnlicher Universeller Wert der Stätte nachgewiesen werden. Die baulichen Zeugnisse müssen in einem sehr guten denkmalpflegerischen Zustand sein. Ebenso müssen sie die Voraussetzung der Authentizität (Echtheit) und Integrität erfüllen. Das heißt, dass die äußere Erscheinung und Beschaffenheit eines Gebäudes bei Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen immer möglichst originalgetreu erhalten werden und die heutige Nutzung weitestgehend der ursprünglichen entsprechen sollte.

 

Hellerau ist ein Zeugnis der verschiedenen Reformbestrebungen des frühen 20. Jahrhunderts und der innovativen Ideen seiner Gründerväter. Während der Blütezeit Helleraus existierten vielseitige Bestrebungen nach sozialer Gerechtigkeit, einem verstärkten Umweltbewusstsein, einer natürlichen und gesunden Lebensweise, Bildung sowie nach der Integration von Kunst, Harmonie und Rhythmus in das alltägliche Leben. Dies drückte sich unter anderem in der Architektursprache aus und ist bis heute in der städtebaulichen Struktur der Siedlung sowie in der Wohnarchitektur, im Festspielhaus-Ensemble und im Gebäudeensemble Deutsche Werkstätten Hellerau sichtbar. Diese bedeutenden Zeugnisse gilt es zu bewahren.

Auf der internationalen Ebene existiert keine Gesetzgebung für den Schutz und den Erhalt von Welterbestätten. Daher bleiben auch nach der Aufnahme Helleraus in die Welterbeliste die bestehenden nationalen Gesetze und Planinstrumente die Grundlage für alle Schutz-, Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Die Verabschiedung einer zusätzlichen Gesetzgebung ist nicht erforderlich und nicht geplant. Von Seiten der zukünftigen Welterbeverwaltung besteht dennoch die Verpflichtung zur Berichterstattung aller Entwicklungen innerhalb der Stätte, die eine Gefahr für den Erhaltungszustand darstellen könnten. Das UNESCO Welterbezentrum und der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) können Kontrollmaßnahmen in Form von Besichtigungen und der Einforderung von bestimmten Unterlagen durchführen. Zum Schutz und Erhalt der zukünftigen Welterbestätte kann der vorbildliche Umgang mit den Denkmälern durch alle Bewohner Helleraus einen entscheidenden Beitrag leisten. Daher ist es notwendig, dass die Denkmalbesitzer ihr Eigentum entsprechend der geltenden gesetzlichen Bestimmungen erhalten. Gemäß des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes müssen Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen jeglicher Art immer durch die Untere Denkmalschutzbehörde genehmigt werden. Zudem unterliegen geplante Neu- und Erweiterungsbauten den rechtskräftigen Flächennutzungs- und Bebauungsplänen. In deren Aufstellung wird der Denkmalschutz stets einbezogen. Auch der Baumbestand ist auf der Grundlage der Baumschutzsatzung gesetzlich geschützt. Es wäre jedoch wünschenswert, dass sich die Bepflanzung der privaten Gärten stärker an der ortstypischen Baum- und Pflanzenwahl nach dem historischen Vorbild orientieren würde.

Leisten auch Sie einen entscheidenden Beitrag zur Denkmalpflege in Hellerau und wenden Sie sich bei geplanten Maßnahmen am eigenen Denkmal frühzeitig an die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde. Dort können Sie sich beraten lassen und Fragen zum Genehmigungsverfahren vorab klären.

Kontakt: Frau Linda Thümmler (Amt für Kultur und Denkmalschutz, verantwortlich für das Ortsamt Altstadt und das Ortsamt Klotzsche, Hellerau, Weixdorf, Langebrück).

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