SCHRIFT

In einem Vergleichstest des ADAC über die Fahrradfreundlichkeit in 12 deutschen Großstädten belegt Dresden zusammen mit Dortmund den letzten Platz (www.adac.de/radfahren). Der Test des nicht gerade für seine Radfahrerlobby bekannten Clubs bestätigt, was häufig im Sattel sitzende Dresdner schon lange bemängeln: Es gibt kein innerstädtisches Radwegenetz, kein Gesamt- oder Zukunftskonzept und es mangelt an Radverkehrsförderung durch Politik und Verwaltung.

Aber wie sieht es jetzt konkret für Hellerau aus? Die Straßenbahnlinie 8 verbindet uns ja komfortabel mit der Innenstadt, trotzdem soll es auch Hellerauer geben, die gerne mit dem Rad in die Stadt fahren, z.B. zum Einkaufen oder – wie im folgenden Erfahrungsbericht - zur städtischen Bibliothek im World-Trade-Center.

Radweg in die Stadt

Die Sonne scheint, kein Regen in Sicht, also Helm auf und los! Ich entscheide mich für den nach meiner Einschätzung kürzesten Weg mit geringstem Verkehr und der beginnt als schmaler Radler-Pfad gegenüber der Einmündung des Klotzscher auf den Moritzburger Weg (1). Manchmal fast zugewachsen, verläuft er abseits von Autostraßen idyllisch durch den Heller (2). Allerdings haben Baumwurzeln, Wildschweine und Pferdehufe den Weg eher ungeeignet für schmale Reifen gemacht.

Nachdem ich kleinere „Seen" am Beginn der Magazinstraße umrundet habe (3), holpere ich weitgehend ohne Verkehr bis zur Fabrice-Straße (4). Die marode Brücke mit anschließendem Kopfsteinpflaster (5) wird hoffentlich im Zuge des Neubaus der Feuerwache saniert werden (Vielleicht auch die Magazinstraße? Vielleicht sogar mit Radweg?).

Nach der Überquerung der Stauffenbergallee muss ich zum ersten Mal gegen die StVO verstoßen und entgegen der Fahrtrichtung durch die Einbahnstraße fahren (6) -anders komme ich nicht in den Dammweg. Der war noch vor kurzem im oberen Bereich von Brennnesseln bedrohlich zugewachsen, aber inzwischen hat sich jemand erbarmt (Stadt oder Anwohner) und den Weg notdürftig freigeschnitten (7). Jetzt noch den viel befahrenen Bischofsweg überqueren (8) und dann kann man ganz entspannt, weil endlich auf glattem Asphalt, dem Neustädter Bahnhof entgegenrollen.

Nach dem Gewusel des Bahnhofsvorplatzes stehe ich zum ersten Mal auf einem richtigen Radweg vor einer richtigen Fahrradampel (9)! Fünfzig Meter weiter ist der Radweg allerdings schon wieder zu Ende und im weiteren Verlauf über die Marienbrücke, entlang der Könneritzstraße, muss man sich in der Regel den Gehweg mit den Fußgängern teilen (10). Manchmal ist der Radfahrer auch nur geduldet, aber im Bereich einer gefährlichen Baustelle darf nur der Radfahrer auf schmalem Bordstein seine Geschicklichkeit trainieren, hier sind wiederum Fußgänger verboten. Ziemlich sinnlos diese ständig wechselnde Beschilderung, denn hier zählt für alle nur die gegenseitige Rücksichtnahme.

Nach acht Ampeln seit dem Neustädter Bahnhof, die meisten auf Rot, weil die Grüne Welle dem Autoverkehr angepasst ist, stehe ich vor dem World Trade Center (11) und der letzten Herausforderung: einen freien Bügel zu finden, um mein Rad anzuschließen (12).

Wer auf dem Rückweg direkt durch die Innenstadt fährt, wird auf der Strecke zwar mehr Radwege vorfinden, aber dafür noch mehr rote Ampeln und in ständiger Tuchfühlung mit starkem Verkehr und immer auf der Hut vor unvorsichtigen Rechtsabbiegern. Und ab Albertplatz gibt es auf dieser Route dann auch keinen Radweg mehr. Vielleicht hat man an dieser Stelle die Lust verloren weiter zu fahren, oder man scheut die Steigung hoch nach Hellerau und möchte daher die Straßenbahn nach Hellerau nehmen. Und jetzt wird der Radler feststellen, dass er dafür eine „Fahrradtageskarte" benötigt, die teuer ist als eine Einzelfahrt. Kaum etwas zeigt besser das völlige Unverständnis der Dresdner Verwaltung für die Bedürfnisse von Radfahrern!

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FAZIT: Das Testurteil „Mangelhaft" des ADAC bezüglich Dresdens Fahrradfreundlichkeit wurde auf dieser ausgewählten Strecke eindrucksvoll bestätigt. Wie groß allerdings der Nachholbedarf der Stadt ist, kann nur ermessen, wer häufiger in einer relativ fahrradfreundlichen Stadt, wie z.B. Bremen, unterwegs war. Das Ergebnis von 25 Jahren Priorisierung des Autoverkehrs durch Stadt und Land, insbesondere durch den letzten Wirtschafts- und Verkehrsminister, werden auch die neuen politischen Mehrheiten in den nächsten Jahren kaum deutlich verbessern können. Von denen würde ich mir als Hellerauer allerdings ein klares Bekenntnis zur Förderung des Radverkehrs wünschen und einen realistischen Plan zu einer weitgehend autofreien, radfahrerfreundlichen Verbindung des Dresdner Nordens mit der Innenstadt.

Fortsetzung folgt: Mit dem Rad ins Umland von Hellerau.

Wolfgang Gröger

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