SCHRIFT

Auf der Brachfläche hinter dem Festspielhaus Hellerau ist in den vergangenen Wochen ein kleines Paradies entstanden: In reihenartig angelegten Hochbeeten wachsen Gemüse und Blumen, unter einem Schutzdach ranken Tomaten empor, Sitzgruppen unter dem Schattendach der umstehenden großen Laubbäume laden zum Verweilen ein. Bei einem Garten-Rundgang erklärt Anna Bründl vom Europäischen Zentrum der Künste Dresden, was hinter dem Golgi-Park, so haben die Gründer ihren Garten getauft, steckt.
Golgi Park

 Der Golgi-Park ist ein Gemeinschaftsgarten hinter dem Festspielhaus. Wir wollen uns mit dem Garten für Flüchtlinge engagieren und ihnen einen Freiraum bieten. Sie können dort Gemüse anpflanzen, sich treffen, natürlich auch Deutsche kennenlernen – es ist einfach ein Ort, wo man in angenehmer Atmosphäre miteinander in Kontakt kommen kann.

In kurzer Zeit ist auf dieser Brachfläche ein bunter Garten entstanden. Wie haben Sie das geschafft?

Begonnen haben wir mit einem Aktionstag im Mai. Zunächst haben wir die Beete angelegt. Weil der Boden hinter dem Festspielhaus leider keine optimale Qualität hat, haben wir dazu eine Art Hochbeete angelegt – Bigbags aus stabilem Kunststoff, die jeder mit einem Kubikmeter Erde gefüllt sind. In diese Bigbags haben wir das Gemüse gepflanzt. Die weißen Bigbags wirken ungewöhnlich, sind aber funktional und zum Beispiel gut gegen Schnecken. In den Ländern, wo die Flüchtlinge herkommen, wird häufig so Gartenbau betrieben! Beim nächsten Aktionstag im Juni haben wir einen Graben gebuddelt für eine Wasserleitung vom Haus zum Garten. An den beiden Aktionstagen sind über den Tag verteilt 80 bis 100 Leute gekommen. Wir laden immer auch die Nachbarschaft ein, um den Radius des Gartens zu erweitern. Das Projekt läuft sehr gut und wir freuen uns, dass so viele Leute kommen.
Golgi Park
So ein Garten ist schön anzusehen, bedeutet aber auch reichlich Arbeit. Da muss man regelmäßig jäten und gießen. Wer kümmert sich darum?

Unter der Woche ist regelmäßig Betrieb. Im Festspielhaus wohnt eine kleine Gruppe von Flüchtlingen, die oft den Gießdienst übernimmt. Wir sind auch in Kontakt mit verschiedenen Unterkünften und Sozialarbeitern, die Flüchtlinge betreuen, deswegen kommen regelmäßig Flüchtlinge aus anderen Unterkünften, die beim Garten mithelfen. Wir haben gemeinsam ein großes Sortiment an Gemüse gepflanzt: Salat, Gurken, Kohlrabi, Mais, Fenchel, Bohnen, Kartoffeln, Kürbis, Zucchini, Broccoli und Kräuter. Die Idee ist, dass die Flüchtlinge etwas haben, was sie ernten, mitnehmen und verarbeiten können. Mittwochs, donnerstags und samstags zwischen 14 und 19 Uhr ist immer ein Gärtner da, und man kommt an die Geräte. Wir laden dazu ein, nicht nur das Vorgefundene wahrzunehmen, sondern sich selber aktiv einzubringen. Aber man kann auch einfach da sein und muss nichts machen. Wir haben auch einen kleinen aufblasbaren Swimmingpool, und demnächst entsteht unter den Bäumen ein Sandkasten.

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Wie nehmen die Hellerauer Einwohner den interkulturellen Golgi-Park an und wie finanziert sich das Projekt?

Es kommen viele Hellerauer vorbei, die uns helfen und Tipps geben. Wir profitieren von dem großen gärtnerischen Wissen in der Gartenstadt. Denn in Hellerau hat eigentlich jeder seinen eigenen Garten. Natürlich müssen sich die Leute erst mal um ihren eigenen Garten kümmern und kommen dann erst hierher. An den Aktionstagen waren wir von der Spendenbereitschaft der Dresdner beeindruckt. Wir haben Schaufeln, Schubkarren und andere Geräte geschenkt bekommen und auch viele Pflanzen. Finanzielle Förderung für das Projekt gibt es von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, von der Stiftung Anstiftung&Ertomis in München und der Heidehof Stiftung Stuttgart. Projektträger ist der Förderverein Hellerau, der uns ideell und finanziell sehr unterstützt und ohne den das Projekt nicht möglich wäre.

Welche weiteren Pläne gibt es für den Garten?

Unsere monatlichen Aktionstage sind bisher schon gekoppelt an Veranstaltungen im Festspielhaus. Zukünftig wollen wir das noch mehr verzahnen. Es könnte zum Beispiel im Garten ein kleines Open-air-Konzert geben oder eine Lesung. Am 29. August planen wir ein Sommerfest im Golgi-Park. Dann wollen wir die Pflanzen bestimmen, die wir zum Teil geschenkt bekommen haben, und mit Kindern Schilder gestalten – am besten gleich mehrsprachig. Außerdem sind wir in Kontakt mit Landschaftsarchitekten der TU Dresden um eine Ausschreibung vorzubereiten. Die Bigbags sollen einmal durch stabilere Hochbeete ersetzt werden, da könnten Studierende Entwürfe einreichen. Wir möchten uns da auch mit der Uni und den Studierenden vernetzen.

Uta Bilow

PS. Der Name "Golgi Park" leitet sich vom sogenannten Golgi-Apparat und den Golgi Zellen ab. Der Golgi-Apparat bezeichnet die Gesamtheit der aufeinander geschichteten Dictyosomen in einer Pflanzenzelle. Er schützt die Zelle vor schädlichen Stoffen aus dem Stoffwechsel und liefert bei der Zellteilung das Material zur Zellwandneubildung.
Die Golgi Zelle wurde nach ihrem Entdecker, dem italienischen Mediziner und Physiologen Camillo Golgi benannt, dessen Name Pate für den interkulturellen Garten in Hellerau steht.
Camillo Golgi erhielt 1906 gemeinsam mit Santiago Ramón y Cajal den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Zudem war Camillo Golgi Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher "Leopoldina". Gemäß ihrer Satzung hatten die Leopoldina unter anderem die Aufgabe die Wissenschaft durch nationale und internationale Zusammenarbeit zu fördern und diese Tradition »zum Wohle des Menschen und der Natur« aufrechtzuerhalten.

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