SCHRIFT

Am 19. Mai findet die diesjährige montanhistorische Exkursion der AG Umwelt statt. Wohin es geht, wird im aktuellen Blättl verraten (Nr. 107, erscheint Anfang Mai). Interessenten melden sich bitte bei Harald Krauss, Tel.: 880 61 31.

Hier lesen Sie einen Bericht von der Exkursion im vergangenen Jahr:

Silberbergbau am Ufer der Elbe? Ja, den gab es, und sogar über 800 Jahre lang mit nur geringen Unterbrechungen. Die Silberausbeute war teilweise reiner und größer als im Freiberger Revier! In dieser Zeitspanne förderte man etwa 180 Tonnen reines Silber, tausende Tonnen Blei, Zinn, Kupfer und andere Metalle. Dabei kam es auch zu wissenschaftlichen Entdeckungen: 1798 wurde hier zum ersten Mal Coelestin (Strontiumsulfat) gefunden und von der Bergakademie Freiberg wissenschaftlich erforscht und benannt. Die Erzkernzone in Scharfenberg ist etwa 600 m lang, 300 m breit und 250 m tief. Sie liegt in einem Gebiet, wo durch tektonische Einflüsse Erze entstanden sind und reicht vom Erzgebirge über Rothschönberg, Taubenheim, Scharfenberg, Meißen, die Bosel, den Spitzgrund bis nach Moritzburg. Hier wurde in zwei Gruben Roteisenerz abgebaut und verhüttet – Moritzburg hieß bis 1934 bezeichnenderweise Eisenberg.

Exkursion Silberbergbau Scharfenberg

Dies alles erfuhr die Umweltgruppe des Vereins, die im April 2015 ihre zweite montanhistorische Exkursion unternahm. Die Exkursionsteilnehmer trafen sich in Scharfenberg (Ortsteil Reppina) mit Herrn Holger Sickmann, der sich als profunder Kenner der sächsischen Geschichte, der Historie des Scharfenberger Bergbaus, der Heimatgeschichte, Geologie, Flora und Fauna entpuppte. Mitreißend und spannend informierte er uns über die verschiedenen Gegebenheiten und beantwortete unsere Fragen so ausführlich, so dass unser Zeitplan oft in Gefahr geriet. Was haben wir auf unserer Exkursion erfahren?

Direkt gegenüber am Scharfenberger Hang mündet der „Neuertiefer König David Erbstollen“, der zurzeit vom Bergamt gesichert und rekonstruiert wird. Erbaut wurde er von 1818 bis 1849. Er ist 900 m lang und reicht bis unter das zentrale Scharfenberger Revier. Er war der Ersatz für den teilweise eingestürzten alten Stollen, der bereits ab 1545 erbaut wurde und über zwei Kilometer lang war. Unmittelbar links neben unserem Parkplatz an der B6 befand sich die „Neue Silberwäsche“, die mit Dampfkraft betrieben wurde, denn ein ständiges Problem des Scharfenberger Reviers war der große Wassermangel. Die Kohle wurde aus den Freitaler Gruben auf der Elbe nach Reppina verschifft. Rechts an der Auffahrt nach Scharfenberg zeigte uns Herr Sickmann Reste bzw. Umbauten des Zollhauses und der alten Silberwäsche. Auf der linken Straßenseite sahen wir das Geburts- und Wohnhaus von Samuel Stölzel, einem Miterfinder des Meißner Porzellans, der 1719 das Porzellangeheimnis an den Wiener Hof verriet.

Weiter oben, rechts am Waldrand, steht das alte Bergmannsarmenhaus, eine Art Sozialversicherung des 17. Jh., und rechts daneben das alte Huthaus des Hoffnungsschachtes der Grube „Güte Gottes“ (Hauptschacht des Scharfenberger Reviers). Der Abraum ist als Halde noch überall zu sehen. Über die Jahrhunderte wurde aber das Gros des Abraums aus bis zu 225 Schächten (10 bis 200 m tief) im Tale des Scharfenberger Baches verkippt, so dass der Bach immer höher gelegt wurde. Am eigentlichen Anfang des Ortes, gegenüber der Auffahrt zur Burg, befindet sich die alte Betstube der Grube „Güte Gottes“, das heutige Heimatmuseum. Danach begann unser Aufstieg zur Burg Scharfenberg, vorbei an der großen Pinge der Grube „Himmlisch Herr“ (16. Jh). Rechts von der Burg liegen übrigens die Reste der „Salvator Fundgrube“.

Die Burg Scharfenberg, auch heute noch recht sehenswert, wurde 1185 bis 1200 als Lehensburg der Meißner Markgrafen und Bischöfe erbaut, die auch das Bergrecht in Sachsen innehatten. Das Schloss gehörte lange Zeit den Herren von Miltitz, einer führenden sächsischen Adelsfamilie. Im 19. Jh. wurde das Schloss zum Treffpunkt der Romantiker. Bei denen von Miltitz trafen sich Novalis, Tieck, von Eichendorff, von Brentano, Carus, die Gebrüder Grimm und andere.

Von der alten Bausubstanz ist noch recht viel erhalten. Der neue Burgherr führte uns durch sein „Reich“, welches ihm als Wohnung und Hotel dient, und zeigte Zimmer, Säle, die Schwarzküche, Bastionen und Kellergewölbe einschließlich Kerkerzellen. In der Burg gibt es auch zugemauerte Türen, teils probeeröffnet, jedoch zugeschüttet, mit nachfolgenden Gängen, wo keiner weiß, wohin sie führen und wo sie enden. Bauteile wie der Bergfried (12. Jh.), der Pallas (13. Jh.) oder der Rittersaal wurden abgetragen, durch Naturgewalten oder Kriege zerstört. Rekonstruktion und Wiederaufbau werden durch den Besitzer selbst nach Machbarkeit vorangetrieben.

Anschließend führte unsere Tour zurück ins Elbtal. Nach der Passage durch zwei beeindruckende Burgtore gingen wir den Bergpfad nach recht ins Tal. Hier stehen noch riesige Esskastanien und es gedeihen Aronstab, Salomonsiegel, Orchideen, Teufelskralle, Leberblümchen und Buschwindröschen. Auch Feuersalamander sind noch in einer größeren Population zu finden. Am Ende des Abstieges, kurz vor der B6, kamen wir noch an der alten Knappenstube von 1549 vorbei, die als Treffpunkt der Bergleute diente. Als letzte Besonderheit wies uns Herr Sickmann auf alte Stempelsteine aus Granit hin, die in die Stützmauer an der B6 eingebaut wurden.  Auf ihnen wurde durch schwere Holzstempel das Erz zerkleinert. Das angereicherte Erz wurde dann nach Freiberg gebracht und dort verhüttet. Am Ende der ausgesprochen  interessanten Exkursion kehrte die Wandergruppe ins „Western Inn“ zur Auffrischung der Kräfte ein. Ein herzliches Dankeschön ergeht von allen Teilnehmern für die sehr kompetente und kurzweilige Führung an Herrn Sickmann.

Peter Breitmann

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